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Corps Saxonia
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Allgemeine Corpsgeschichte bis 1914
 
- Das Corps Saxonia
Allgemeine Corpsgeschichte bis 1914
- Allgemeine Corpsgeschichte 1914-1945
- Allgemeine Corpsgeschichte ab 1945
- Große öffentliche Auftritte
- Ehrensenioren
 

15. Mai 1850

 

Gründung Saxonias als akademische Verbindung durch sieben Siebenbürger, drei Tiroler und zwei Salzburger. Bekannt ist die Teilnahme von vier der Gründer an den Revolutionen im Jahr 1848 als akademische Legionäre.

 

In den folgenden Jahren ist Saxonia die einzige Verbindung an der Universität Wien. Es gibt bis zu 60 aktive Mitglieder. Aufgrund des Neoabsolutistischen Regimes (1851 bis 1859) von Kaiser Franz-Joseph I ist ein Bestehen nur im Geheimen möglich. Schriftliche Aufzeichnungen sind ausdrücklich verboten.

 

1858 -1859

 

Einführung des Lebensprinzips und der Pflichtbeteiligung an Fechtübungen.

 

1859

 

Die Niederlage Österreichs in den Schlachten von Magenta und Solferino führt zu einer innenpolitischen Krise, die zur Abschaffung des Neoabsolutismus beiträgt. In schneller Folge entstehen in Wien daraufhin weitere Verbindungen, die Voraussetzungen für ein Auftreten dieser auch in der Öffentlichkeit sind gegeben.

 

1860

 

Erste Beziehungen mit anderen Korporationen in Wien, die Versuche eines

Zusammenschlusses sind aber jeweils nur von kurzer Dauer.

 

13. Mai 1862

 

Die erste Schlägermensur in Wien und ganz Österreich zwischen Saxonia und dem Wiener Corps Herulia (Blau-Weiß-Schwarz; gegr. 1861 von deutschen Studenten, löst sich bereits 1863 nach Weggang ihrer Mitglieder von der Universität Wien wieder auf).

 

17. Februar 1863

 

Erste Mensur Saxonia gegen Silesia (gegr. 1860 als Landsmannschaft, seit 1861 Burschenschaft)

 

17. April 1864

 

Abschluß des "Blauen Cartells" mit Teutonia Graz (gegr. 28. Oktober 1863 mit zwei Saxen als Senior und Subsenior, Corpserklärung am 25. Februar 1866). Der Name "Blau" ergibt sich aus dem Umstand, daß die Farbe bei beiden Corps Mützenfarbe ist.

 

1866 - 1867

 

Durch die Niederlage Österreichs im Deutschen Krieg der meisten deutschen Klein- und Mittelstaaten sowie Österreichs gegen Preußen und Italien bricht in Österreich eine innenpolitische Krise aus. Das Kaisertum Österreich erhält eine Verfassung, die bereits die grundlegenden demokratischen Freiheiten enthält (Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit, usw.)

 

1. März 1866

 

Saxonia beschließt mit einer Gegenstimme, sich zum Corps zu erklären. In den folgenden Monaten wird die noch heute übliche Reihenfolge der Chargen eingeführt, die Statuten werden geändert. Gemeinsam mit Teutonia Graz sucht Saxonia bereits um die Aufnahme in den Kösener Senioren Convents Verband (= KSCV, gegründet 1848) an.

 

15. Februar 1867

 

Das Corps Teutonia Wien (rot) (gegründet 1859, Corps seit 1866, CBf: rot-weiß-blau, Wahlspruch: Vero vera, Wappenspruch: Gladius ultor noster) löst sich auf.

Die vier noch immatrikulierten roten Teutonen - Balka, Gréve, Kagerbauer und Rosmini - erhalten aufgrund eines Vertrages zwischen Saxonia und Teutonia das Saxenband.

Kagerbauer fällt eine Woche später im Duell gegen einen Jenenser Burschenschafter.

 

Der Kösener Kongreß 1867 lehnt die Aufahme von Saxonia und Teutonia ab. Die Gründe dafür lassen sich nicht mehr genau eruieren, antiösterreichische Ressentiments aufgrund des Preußisch- Österreichischen Krieges von 1866 dürften eine Rolle gespielt haben.

 

1868

 

Das noch heute gültige Corpswappen wird festgelegt.

 

Die Statuten von Saxonia werden von der k.k. Statthalterei von Nieder-Österreich nach dem Vereinsgestz von 1867 genehmigt.

Erste Auftritte in der Öffentlichkeit, z. B. beim Begräbnis des Wiener Bürgermeisters.

 

1. Juli 1868

 

Abschluß eines Kartells mit Athesia (gegr. 1861, Corps seit 1862)

 

1869

 

Auf dem Stiftungsfest wird ein Kaisertoast ausgebracht, ein Zeichen dafür, daß Saxonia loyal zum regierenden Hause Habsburg-Lothringen sowie Österreich-Ungarn ist, im Gegensatz zu den meisten Burschenschaften, die kleindeutsch ausgerichtet sind und die Monarchie als Vielvölkerstaat ablehnen. Trotz der in den nächsten Jahrzehnten zunehmenden Nationalitätenkonflikte wird diese Haltung, wie auch die Aufnahme von Nichtdeutschen von Saxonia beibehalten. Dies führt zu ständigen Nachwuchsproblemen.

 

1870 - 1871

 

Erste Suspension

 

1874 - 1875

 

Zweite Suspension

 

Gründung eines österreichischen Corpsverbandes, sogenannter "Erster Linzer DC".

 

29. September 1875

 

Abschluß eines Kartells mit Austria Prag (gegr. 1861, seit 1873 Corps, Kartell mit Athesia seit 1874). Das "Blaue Kartell" ist somit an den großen Hochschulen der Monarchie - Wien, Prag, Graz und Innsbruck - vertreten. Teutonia Graz hat bereits 1871 mit Athesia ein Kartell geschlossen, das jedoch von Athesia 1877 gekündigt wird. Der Versuch, zwischen Teutonia Graz und Austria-Prag ebenfalls ein Kartell zu schließen, scheitert.

 

1876 - 1877

 

Dritte Suspension

 

1879

 

Anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz-Joseph I. und Elisabeth findet ein von Saxonia im Sofiensaal veranstalteter Festkommers mit etwa 2000 Teilnehmern, darunter alle Rektoren, viele Professoren und Offiziere, mit abschließendem Kaisersalamander statt.

 

1884

 

Das Kartell mit Austria Prag erlischt, nachdem sich diese aufgrund der "Schlacht von Kuchelbad", bei welcher 1883 die Teilnehmer eines anläßlich des Stiftungsfestes stattfindenden Dampferausfluges nach Kuchelbad von nationalistischen Tschechen in tätliche Auseinandersetzungen verwickelt wurden, zur deutsch-konservativen Verbindung erklärt.

 

1890 - 1892

 

Vierte Suspension

 

1892

 

Das Kartell mit Teutonia Graz erlischt aufgrund der Auflösung von Teutonia.

 

1894 - 1896

 

Fünfte Suspension

 

1897

 

Der Altherrenverband wird gegründet, nachdem es bereits seit den sechziger Jahren Vorläufer mit wechselnden Bezeichnungen gab.

 

1898

 

Gothia Innsbruck wird als erstes österreichisches Corps in den KSCV aufgenommen.

In Salzburg wird aufgrund einer Initiative des Wiener SC unter führender Beteiligung Saxonias der "Hohen Salzburger SCV" (=HSSCV) gegründet. Vorbild ist dabei der KSCV.

 

1900

 

Das Kartell mit Athesia wird im freundschaftlichen Einvernehmen gelöst, da Athesia sich um den Beitritt zum KSCV bemüht.

 

1902

 

Athesia wird in den KSCV aufgenommen. Der HSSCV löst sich auf.

Die Aufnahmegesuche von Saxonia und Alemannia Wien in den KSCV werden aufgrund völliger Aussichtslosigkeit am OKC zurückgezogen.

 

1908

 

Corpstag in Salzburg mit Beratungen über das deutschnationale "Salzburger Programm". Bei der Abstimmung darüber unterliegt Saxonia, die sich dagegen ausspricht. Proponenten des Programms waren vor allem die steirischen Corps, im speziellen Schacht und Joannea. Die meisten nichtdeutschen Monarchieangehörigen studierten in Wien. Daher hatten die Wiener Corps auch Serben, Rumänen, usw als Mitglieder, vor allem unter den Alten Herren.

 

1909

 

Gründung des "Dürnsteiner SCV" auf Grundlage des Salzburger Programms, der sich aber bereits 1911 wieder auflöst. Saxonia ist nicht Mitglied und in Wien daher von den anderen Corps kurze Zeit vollkommen isoliert. Ende des Jahres tritt jedoch Alemannia aus, um mit Saxonia ein Paukverhältnis aufnehmen zu können.

 

Allgemein haben die Corps in der zunehmend von Nationalitätenkonflikten erschütterten Monarchie einen schweren Stand. Gegen sie steht von mehreren Seiten der Vorwurf im Raum, sie seien nicht "Deutsch" genug.

 

Die Burschenschaften lehnen die Monarchie in der Form, wie sie besteht, grundsätzlich ab und sprechen sich für einen Anschluß der deutschen Teile an das Deutsche Reich aus. Damit verbunden ist bei ihnen ein starker Antisemitismus. Juden wird sogar die Satisfaktion verweigert ("Waidhofener Prinzip"). Als Gegenbewegung dazu bilden sich konservative jüdische Verbindungen.

 

Die Wiener Corps selbst geben Juden weiterhin Satisfaktion, ein Standpunkt der bei Saxonia auch nach dem Ersten Weltkrieg ausdrücklich von einem CC bestätigt wird.

 

Ganz im Gegensatz dazu zeigt sich die Situation in Deutschland. Die Corps erleben wie das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich einen rasanten Aufstieg. Der Corpsstudent ist das "Idealbild der Wilhelminischen Ära". Sie nehmen innerhalb der Studentenschaft eine führende Rolle ein, Burschenschaften und Landsmannschaften eifern in ihrem äußeren Auftreten den Corps nach.

 
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