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Corps Saxonia
 
Was Sind Corps?
 
 
Das Wesen eines Corps
 

Allen Corps gemeinsam sind folgende Grundprinzipien:

Lebensbundprinzip:

Freundschaft ist das älteste corpsstudentische Prinzip. Nach den gemeinsamen Studienjahren bleiben Corpsstudenten auf Lebenszeit verbunden. Man hilft sich jetzt im Studium wie auch später im Beruf. Das gilt für den jungen Fuchsen, der gerade erst in das Corps eingetreten ist, für den im Studium fortgeschrittenen Corpsburschen und natürlich auch für den Alten Herrn, der schon längst erfolgreich im Berufsleben steht. Sie nennen sich Corpsbrüder und meinen es auch so. Als äußeres Zeichen dieser Verbundenheit tragen Corpsstudenten Band und Mütze.

Toleranzprinzip:

Corps sind unpolitisch und unkonfessionell strukturiert und stellen an ihre Mitglieder keine politischen, religiösen oder sonstwie die Geisteshaltung betreffenden Forderungen, im Gegenteil: Toleranz wird durch die Konstitutionen der Corps ausdrücklich gefordert und zwar im Sinne einer Nichtausgrenzung Andersdenkender, insbesondere da dem Corps eine politische oder religiöse Ausrichtung fremd ist. Die diesbezügliche persönliche Autonomie des einzelnen Corpsmitglieds ist in keiner Weise beschränkt. Eine politische oder religiöse Beeinflussung oder gar Ausrichtung des Corps hat zu unterbleiben.

Das Konvents- bzw. Demokratieprinzip:

Wichtige Entscheidungen werden in Konventen durch Abstimmung aller getroffen. Repräsentanten werden in Konventen gewählt, müssen sich den Konventen gegenüber rechtfertigen und können abgewählt werden.

Das Konstitutionsprinzip:

Die obigen Grundsätze sind nicht von ungefähr da und genauso wieder verwässerbar, sondern schwarz auf weiß in geschriebenen Konstitutionen verankert, auf die sich jedes Mitglied berufen kann.

Fechtprinzip:

Das studentische Fechten, die Mensur, gehört seit nahezu 200 Jahren zur corpsstudentischen Tradition. Wir halten diesen Brauch, bei dem ernsthafte Verletzungen ausgeschlossen sind, für eine zeitlose Form der Persönlichkeitsbewährung: hierbei zeigt der einzelne Corpsbruder, daß seine Einsatzbereitschaft für das Corps nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Das gemeinschaftsfördernde Erlebnis der Mensur zwischen fechterisch gleichwertigen Partnern aus verschiedenen Corps vermittelt ein Gefühl, das eben nur erlebbar ist.

 

Aus genannten Prinzipen ergeben sich für den "Coprsalltag" die praktischen Zielsetzungen:

 

Verantwortung in der Gemeinschaft:

 

Der Freundeskreis wird zur starken Gemeinschaft, wenn sich jeder seiner

Verantwortung bewußt ist. Dies beinhaltet die zuverlässige Wahrnehmung

übernommener Aufgaben und auch die Einhaltung eines kultivierten, sachlichen Umgangsstils insbesondere bei Auseinandersetzungen über kontroverse Themata.

 

Der Erziehungsauftrag:

 

Der Erziehungsauftrag zwischen den Corpsbrüdern soll den Corpsstudenten zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftsformen dazu anhalten, einer Verrohung der Sitten entgegenzutreten und in seinen Umgangsformen vorbildlich zu wirken, außerdem die Ehre und Menschenwürde der Einzelnen zu achten und zu wahren. Die gegenseitige Erziehung ist also nicht, wie in den meisten anderen Verbindungen und Korporationen, auf politische oder religiöse Ziele gerichtet, sondern auf allgemeingültig, für uns Corpsstudenten wichtige Werte wie Ehre, Toleranz, Mut, Menschenwürde, Benehmen, Respekt etc. Daß an oberster Stelle das Studium steht, sollte bei einer studentischen Korporation keiner weiteren Erläuterung bedürfen.

 

Der Blick über den eigenen Fachbereich hinaus:

 

Corpsbrüder aus anderen Fachbereichen eröffen bei Diskussionen andere Blickwinkel, fördern somit die persönliche Vielfalt und bieten darüber hinaus eine "spielerische" Möglichkeit, die eigenen rhetorischen Fähigkeiten zu üben. Insbesondere die Alten Herren sind hier ein stetiger Quell neuer Erfahrung.

 

Tatkraft:

 

Wir sehen es als Ziel uns, gegenseitig im Fachstudium zu unterstützen und zu einem zügigen Abschluß zu verhelfen, ohne dabei den Freude am Studium zu vernachlässigen.

 

Gemeinsam feiern:

 

Auch Feiern ist ein Ausdruch der Freude: "Gaudeamus igitur ..."

Neben den traditionellen studentischen Feiern, wie Kneipen und Kommerse, sind Veranstalungen mit Damenbeteiligung Bestandteil corpsstudentischer Tradition, seien es Bälle, Theaterbesuche, Vorträge, Ausflüge oder auch informelle Grillfeste.

 
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Geschichtliches
 

Die Corps sind die älteste heute noch existente Form von Studentenverbindungen.

Das älteste Corps ist Onoldia Erlangen (am 28. 5. 1798 gegründet). Es gibt allerdings auch Funde, so zum Beispiel einen Pfeifenkopf, die schon früher entstandene Corps belegen.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Studenten meist in Landsmannschaften alter Form organisiert, welche sich ausschließlich aus einem Landstrich rekrutierten und deren Mitglieder aus selbigen ausschieden sobald sie die Universität verließen.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts begannen sich, als gegenüber dem Adel emanzipatorischer Zusammenschluß bürgerlicher Studenten, die "Orden" zu bilden , welche nach dem Vorbilde der Freimaurerlogen das Lebensbundprinzip, d.h. lebenslange Mitgliedschaft einführten und bei der Rekrutierung nur nach Eignung des Einzelnen vorgingen. Auch im Zeremoniell und in ihrer Konzeption als Geheimbund waren die Orden eng an das Freimaurertum angelehnt.

Die Orden nahmen einige Eigenschaften heutiger Corps vorweg, nähmlich Teile des Zeremoniells, die straffe Organisation, das Lebensbundprinzip und schließlich auch die freie Rekrutierung. Gerade wegen der geheimbündlerischen Organisation verschwanden die Orden zum Beginn des 19. Jahrhundert wieder.

Die am Ende des 18. Jahrhunderts ihrem Wesen nach ganz neue Korporationsform des Corps wurde zunächst Landsmannschaft oder Kränzchen genannt. Diese Landsmannschaft ist aber nicht die heute bekannte, da die in unseren Tagen üblichen Landsmannschaften erst in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts als "deutsch-rustikale" Versionen der Corps entstanden. Weil die Behörden allerdings immer noch sehr die eigentlich verbotenen Landsmannschaften überwachten, beziehungsweise polizeilich kontrollierten, wählte man als Tarnung die erstmals in Heidelberg aufgetretene Bezeichnung "Corps".

Daß die ersten Corps landsmannschaftliche Wurzeln hatten, bestätigen auch ihre Namen. Die Namen der Corps entstammen mehrheitlich dem Herkunftsort der Gründer, z. B. "Saxonia" für Sachsen, "Palatia" für Pfälzer, etc. und nicht germanischen Stämmen (Cimbern, Markomannen, etc.) wie sie meist von den Burschenschaften gewählt wurden.

Die Corps hatten schon damals, im Unterschied zu den Burschenschaften, keine politischen Ziele oder einen dergestaltigen Auftrag.

Die Bezeichnung "Corps" setzte sich 1810 allgemein durch. Innerhalb derselben kam es bald zu zwei Richtungen, den Lebenscorps und den Waffencorps. Lebenscorps bedeutet, daß ein Mitglied nur bei einer Verbindung aktiv werden darf. Die Waffencorps richteten sich nach dem landsmannschaftlichen Grundsatz, nach dem jedes Mitglied nach einem Wechsel an einen anderen Studienort dort auch ein Band aufnehmen darf.

Einen neuen Bräuche führten die Corps bald nach ihren Gründungen ein, nämlich das Tragen von Band und Mütze. Von den Corps aus ging unter anderem auch dieser Brauch auf andere Korporationsarten über.

In Folger der emanzipatorischen Tradition und der gegenüber dem Adel unterprivilegierten Herkunft stellten sich in den inneren Verfassungen der Corps durchgängig drei Strukturmerkmale ein:

- Das Toleranzprinzip

- Das Konvents- bzw. Demokratieprinzip

- Das Konstitutionsprinzip

Die Corps bildeten insbesondere im 19. Jhdt. ein für viele Studenten attraktives Gegengewicht zum tendenziell repressiven Staatswesen. Die Corps entwickelten auch das studentische Fechten einschließlich der Bestimmungsmensur als ein typisches Merkmal.

Während die spätere Entstehung der sich politisch definierenden Burschenschaften eher durch die staatspolitischen Probleme des 18. und 19. Jahrhunderts motiviert wurde, war die Entstehung der Corps in erster Linie durch die gesellschaftlichen Beschränkungen und Verwerfungen jener Zeit und dem dadurch hervorgerufenen Streben nach individuellen bürgerlichen Freiheiten begründet.

In Deutschland wurden die Corps nach Erlangung dieser Freiheiten gerade durch ihr witzig-freches und trotzdem diszipliniertes Auftreten zum gesellschaftlichen Idealbild des Akademikers der wilhelminischen Ära, dem sich selbst der Hochadel nicht entziehen konnte. So waren nicht nur viele Wissenschaftler, sondern auch so gegensätzliche Persönlichkeiten wie Karl Marx und Kaiser Wilhelm II Corpsstudenten.

In Österreich führte die Gewährung jener Freiheiten ab 1859 in abgeschwächter Form zunächst zu einer ähnlichen Entwicklung, die jedoch durch die ab Mitte der 1880er aufbrechenden Nationalitätenkonflike zum Stillstand kam und erst kurz vor dem ersten Weltkrieg wieder an Fahrt gewann.

Die Corps sehen sich bis heute in der Tradition der genannten liberalen und unserer Meinung nach auch zeitlosen Prinzipien, wie sie unter "Grundsätze" näher beschrieben sind.

 
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Berühmte Corpsstudenten
 

Brehm, Alfred, Saxonia Jena, 1829-1884, Naturforscher und Erzieher Kronprinz Rudolfs.

Nachtigal, Gustav, Palaiomarchiae, Nassoviae, Pomeraniae, 1834-1885, Arzt, Afrikaforscher.

Freytag, Gustav
, Borussiae Breslau, 1816-1895, Schriftsteller ("Soll und Haben").

Ionel Kalinczuk Ritter v. Chominski, Alemanniae Czernowitz, Saxoniae Wien, Teutoniae Graz, 1857-1934, Lyriker, Arzt, Königlich Rumänischer Generalkonsul.

Körner, Theodor
, Thuringiae Leipzig, Guestphalia Berlin, 1791-1813, Freiheitskämpfer und Dichter.

Savic, Milan, Saxoniae Wien, 1845-1930, Schriftsteller, Übersetzung von Goethes Faust ins Serbische.

Thoma, Ludwig, Sueviae München, 1867-1921, Jurist und Dichter.

Wagner, Richard, Saxonia Leipzig, 1813-1883, Komponist.

Bismarck, Otto Fürst von, Hannoverae Göttingen, 1815-1889,Reichskanzler.

Sachsen-Coburg und Gotha, Carl Eduard, Herzog von, Borussiae Bonn, 1884 - 1956, Königliche Hoheit.

Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen, Borussiae Bonn, 1859-1941.

Wilhelm II., König von Württemberg, Bremensiae, Sueviae Tübingen, 1848-1921.

Schleyer, Hanns-Martin, Sueviae Heidelberg, 1915-1977, Präsident des Arbeitgeberverbandes, von Terroristen ermordet.

Ketteler, Wilhelm Emanuel Freiherr von, Guestphalia Göttingen, 1811-1877, Bischof von Mainz, begründer der kath. Soziallehre.

Scherr, Gregor von, Palatiae München, 1805-1877, Erzbischof von München-Freising.

Preußen, Friedrich Karl Prinz von, Borussiae Bonn, 1828-1885, Generalfeldmarschall.

Liebig, Justus Freiherr von
, Rhenania Erlangen, 1803-1873, bedeutender Chemiker.

 
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Literatur
 

Hier seien noch einige Bücher erwähnt, die von und über Studentenverbindungen handeln. Wir geben hier hier nur jene uns bekannten Bücher an, die auch im Handel mühelos zu erhalten sind:

Mann, Heinrich. Der Untertan (dieses Buch wird von vielen Verlagen angeboten).

Twain, Mark. Bummel durch Europa. Diogenes Verlag. Zürich 1990.

Gaudeamus Igitur, die studentischen Verbindungen einst und jetzt. Callwey Verlag. München.

Biastoch, Martin. Duell und Mensur im Kaiserreich. SH-Verlag. Vierow 1995.

 
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